Kein bißchen aufgeregt

Alles ist im Wandel. Und wenns nur Hui Buh ist der in seinen rostigen Rasselketten umherwandelt.

Wenn etwas klar durch den Nebel leuchtet sind das zwei Dinge:

Die Geliebte
Und die momentan absolute Lieblingscombo

Die Drölfzig Dinge die noch klar sind verschweige ich an dieser Stelle, die Geliebte steht diesmal auch zurück, auch wenn ich gerade an sie denke und sie einfach nur gaaaanz doll liebe. Aber das ist ja KLAR!

Was bislang nicht klar war ist die Lieblingscombo. Das ändert sich natürlich alle 45 Tage mal, aber heute sind haben meine uneingeschränkte Aufmerksamkeit die Herren von Herrenmagazin.

 HERRENMAGAZINZufällig flatterte vor einigen Wochen ihr erstes Album “Atzelgift” auf meinen Schreibtisch. Und ich höre sie oft. Viel öfter als andere Alben deutscher (Punk)-Bans die ganz lustig, nett und ok sind. Herrenmagazin begeistern! Herrenmagazin werden allen Erwartungen nach weit kommen. Getragen werden sie dabei jedoch wohl weniger vom Eigenantrieb als der Begeisterung, die sie rund um sich herum auslösen. Über ihre allgemeine Lebensbegeisterung, Lust am Essen, Lust am Saufen und Lust an eigentlich so ziemlich allem vergessen die Herren nämlich auch mal ihr Equipment, ihre Merchandise-Kiste oder auch auch mal jegliche Zukunftsplanung zum Werdegang ihrer kleinen Kapelle. Eine Demo-CD haben sie auch noch nie aus eigenem Antrieb verschickt. Geschadet hat ihnen das aber nicht, denn schon mit wenigen Auftritten vermochten sie es, die richtigen Leute in ihren Bann zu schlagen. Nicht nur Markus Wiebusch von Kettcar war vom Auftreten und Musik des Herrenmagazins sehr angetan, auch Vertreter der Hamburger Schule wie Jan Müller von Tocotronic und ex-Blumfeld-Manager Oliver Frank zeigten sich begeistert und nahmen Herrenmagazin kurzerhand unter Vertrag ihres Musikverlags, worauf ein Deal mit Motor dann auch nicht mehr lange auf sich warten liess. Supporteinladungen von Genrelieblingen wie den Hives oder Blood Red Shoes sind ihrerseits nochmal deutliche Zeichen.

Musikalisch sieht die Band sich selbst im Bereich des schwermütigen, moll-lastigen Postpunks, durchweht vom “verlorenen Glauben an so ziemlich alles”, was jedoch in deutlichem Kontrast zur eigentlichen Lebensfreude der Band steht. Dieser wankelmütige Taumel zwischen beseeltem Jubel und leiser, milde lächelnder Resignation oder Zwischenmomenten der Rat- und Bewegungslosigkeit mag aber vielleicht auch gerade der kreative Tanz sein, aus welchem Herrenmagazin ihre Kreativität schöpfen. Vielleich aber auch aus dem Kulinarischen, denn in ihren Selbstbeschreibungen definieren sich die Bandindividuen nämlich gerne darüber, dass sie gerne und kochen und essen. Statt schlüpfriger Hochglanzfleischbeschau gibt es also doch eher sympathisch Bodenständiges und aus dem normalen Leben Gegriffenes.

Am Mikrofon findet man dazu Deniz Jaspersen, an der Gitarre Philip Wildfang, am Bass Paul Konopacka und abschließend Rasmus Engler am Schlagzeug. Gerade die musikalische und literarische Prominenz des Letztgenannten half der Band anfangs Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und ihre Umgebung für ihr Konzept empfänglich zu machen. Von da an jedoch, sprachen Musik und Band für sich. Tun sie auch immer noch.

Ich hoffe das nächste mal hört man mehr auf mich wenn ich Herrenmagazin für ein OpenAir-Konzert vor ausgewählten jugendlichem Publikum empfehle. Wer ist schon Thomas D. !?  :-D

Ich würde empfehlen die aktuelle CD zu kaufen, damit ich bald mehr und mehr der vier hören kann :-)

HERRENMAGAZIN
Atzelgift

ATZELGIFTDas „Atzelgift“ Tracklisting geht so:

 01. Früher war ich meistens traurig
 02. 1000 Städte
 03. Der längste Tag
 04. Alles (aus; alles) an
 05. Der langsame Tod eines sehr grossen Tieres
 06. Geht nicht über Nacht
 07. Lilly Lametta
 08. Lichter der Stadt
 09. Atzelgift
 10. Sowiedubist
 11. Kein bisschen aufgeregt

Und die obligatorischen Links:
Herrenmagazin bei MySpace
Man wird uns Unseriösität vorwerfen
Herrenmagazin bei YouTube
“Atzelgift” KAUFEN!

T.Totti Tortellini

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