Die Farbe Blau

               

Sie ist das Beste, was es in der Welt gibt.
Sie ist die Farbe aller Farben.
Die blaueste von allen blauen.
Pablo Picasso

Meine alte Homepage war in blau gehalten, dies war ein Grund einmal etwas über die Farbe BLAU zu schreiben und dies dann mit hier rüber zu nehmen.

Ich bin nicht alleine mit meinem “Blau-Knall”. Auch auf bekannte Künstler, wie die Maler Paul Gauguin und Pablo Picasso (1881-1973, er hatte seine “Blaue Periode” ) hatte die Farbe eine Besondere Wirkung gehabt. Selbst Johann Wolfgang von Goethe sagte “Diese Farbe macht für das Auge eine sonderbare, fast unaussprechliche Wirkung. Wie wir einen angenehmen Gegenstand, der vor uns flieht gern verfolgen, so sehen wir das Blau gern an, nicht weil es auf uns dringt, sondern weil es uns nach sich zieht.” Novalis kam nicht umhin, seinen Romanhelden “Heinrich von Ofterdingen” mit der Farbe Blau zu berauschen und zu beglücken. Rainer Maria Rilke war fasziniert und Friedrich Hölderlin meinte “Verloren ins weite Blau, blicke ich oft hinauf an den Äther und hinein ins heilige Meer, und mir ist, als öffnet ein verwandter Geist mir die Arme, als löste der Schmerz der Einsamkeit sich auf ins Leben der Gottheit.” Der Philosoph Schelling liebte die blaue Farbe über alles. Der expressionistische Maler Wassily Kandinsky konstatierte: “Blau ist die typisch himmlische Farbe. Sehr tief gehend entwickelt Blau das Element der Ruhe.” Darüberhinaus schrieb er 1910 in seinem Buch “Über das Geistige in der Kunst”: “Die Neigung des Blaus zur Vertiefung ist so groß, dass es gerade in tieferen Tönen intensiver wird und charakteristischer innerlich wirkt. Je tiefer das Blau wird, desto mehr ruft es den Menschen in das Unendliche, weckt in ihm die Sehnsucht nach Reinem und schließlich Übersinnlichem.”

BLAU

Ja, für mich ist die Farbe Blau, die Farbe der Ruhe und Gelassenheit, der Träume, Sehnsüchte und des Seelenstroms.. Ich trage nicht fast ausschliesslich blaue Kleidung, aber ich trage sie gerne. Ich stelle mir auch gerne blaue Möbel in die Wohnung, schmücke meine Wände mit blauen Bildern, trinke aus blauen Tassen meinen Kaffee und auch sonst gibt es einige Alltägliche Dinge die (auch rein zufällig) einfach Blau sind. Kann man sich bei Neuanschaffungen eine Farbe aussuchen, was nehme ich da meist? ;) Aber es ist nicht so schlimm das ich allem blauen hinterherjage. Das wäre ja auch Quatsch. Ich mag halt die Farbe sehr gerne und umgebe mich gerne damit. Für diese Homepage gab es für mich nur zwei Farben die zur Verwendung in Frage kamen. Einmal ein sehr sanftes Grün und halt Blau.

Blau ist die fünfte menschlich wahrnehmbare Farbe im Regenbogen, in Indien ist blau die fünfte Energie Chakra (Hals Chakra) und im alten Ägypten hat die Farbe auch eine besondere Bedeutung. Sie wurde meist aus dem Edelstein Lapislazuli hergestellt und die Ägypter sahen im tiefen Blau des Wassers das Leben und im unermesslichen Blau des Himmels das Göttliche. Es war die Farbe der Götter und Pharaonen. In der frühen Neuzeit war die Farbe Blau für Maler noch sehr schwer zu bekommen, sie legte lange Wege bis auf die Palette der Künstler zurück, weswegen sie auch sehr kostspielig war. Es sind noch Verträge über Bildverkäufe von dem Maler Albrecht Dürer erhalten. Daraus geht hervor, dass der Maler zuerst ermittelte wieviel Blau er für ein Bild benötigte, um dann den Preis für das Bild festzulegen. Da die Farbe also somit Wertvoll war, benutze man Blau oft bei der Darstellung der Maria, um die Einzigartigkeit und Besonderheit Marias zu unterstreichen. Sie erhielt i. d. R. einen blauen Mantel.

Noch ein bischen Geschichte erzählt von Thomas Seilnacht: Von der Teufelsfarbe zum König der Farbstoffe – Durch das Finden des Seeweges nach Indien im Jahre 1498 durch Vasco da Gama kam der indische Indigo nach Europa. Zuerst wurde das Färben mit indischem Indigo zum Teil unter Androhung der Todesstrafe verboten, da er die Existenz der einheimischen Bauern gefährdete. Im Jahre 1654 erklärte ihn deshalb der deutsche Kaiser zur “Teufelsfarbe”. Zur Unterstützung der Bauern führte Kurfürst Friedrich Wilhelm am Ende des 17. Jahrhunderts die preußischblau gefärbten Uniformen ein. Das Blau der Uniformen wirkte außerdem ordentlich und seriös. Im ersten Weltkrieg verschwand das Blau bei den deutschen, preußischen Uniformen, es wurde durch Tarnfarben abgelöst. Aufgrund der besseren Färbeeigenschaften setzte sich der indische Indigo allmählich durch und wurde 1737 legalisiert. Aus der “Teufelsfarbe” wurde der “König der Farbstoffe”.

Die alten Ägypter sahen im tiefen Blau des Wassers das Leben und im unermesslichen Blau des Himmels das Göttliche…

BLAU:
Farbe des Wassers, der tiefe, verkörpert das weibliche Prinzip, Farbe des Himmels, himmelsblau war früher mit dem männlichen verbundenfarbe aller Himmelsgötter und Symbol des fernen, des Göttlichen, des “geistigen”, noch heute gilt blau als Frbe der Treue, denn Treue erweist sich erst aus der Sicht der Ferne, wenn Gelegenheit zur untreue gegeben ist. Blaue Blumen wie Vergissmeinnicht, Veilchen oder Männertreu symbolisieren die treue. Es ist die Farbe der unbegrenzten Dimensionen. Farbe der Zuverlässigkeit, der Träumer, des vertrauens… man kann “blauäugig” sein. Auch Farbe der Sehnsucht… Farbe der Entspannung, der selbstgenügsamen zurückgezogenen, “blau” machen. Blau ist Königlich und Proletarisch zugleich: Preussischblau und Blaumänner. Blau ist friedlich. Man denke an die Blauhelme, an die Blauhemden, an die Pfadfinder. Farbe der Kälte (blaue Duschknöpfe). Blau steht für Obrigkeit: Hallo Blaublüter. Das denken an die farbe Blau löst eine sehnsüchtige, träumerische Stimmung aus und erzeugt gleichzeitig Geborgenheit und Ruhe, führt zu einer ernsthaften Sicht der Dinge nach innen. Sie gilt als Farbe des Gemüts und stimmt positiv. Das Blau des “blauen briefes” soll bewirken, dass die Botschaft leichter angenommen wird. Viele Unternehmen benutzen die Farbe in ihrem Firmenlogo (Aral, Deutsche Bank, Levis, Nivea). Levis Jeans, zuerst braun, wurden sie erst als “Blue Jeans” zum Welterfolg. “blau machen” – “blau sein” – “blauer montag” Von der Teufelsfarbe zum König der Farbstoffe. Die blaue Blume in der Romantik: Pablo Picasso, Wassily Kandinsky, Franz Marc und der Blaue Reiter. Blau hat eine ruhige und kühle Wirkung. Als eine Farbe der Introversion drängt sich Blau nicht auf, sondern weicht vom Menschen zurück und bewegt sich zum eigenen Zentrum hin (konzentrisch). Dunkelblau erzeugt eine ernste Stimmung, wirkt deprimierend und traurig, während Hellblau das Gefühl von Weite und Ferne erzeugt. Blau kann unter anderem Treue und Sehnsucht, das Übersinnliche und das Geistig-Seelische symbolisieren. Dunkelblau kann das Unbewußte, die Nacht, Ruhe oder auch den Tod repräsentieren.

BLAUBLAUBLAUBLAUBLAUBLAUBLAUBLAUBLAUBLAUBLAUBLAUBLAUBLAU

- Blaue Lyriks -

Blau lebt
(von Nicolé-Annette Krüger)

Es ist ein Blau nur in besondren Dingen,
als wäre ihm ein Prädikat verliehn,
als ließe es ganz gnädig sich herab,
so einfach sichtbar sich zu zeigen.

Und trotz all dieser Arroganz,
genährt aus alter Zeit,
ist ein unglaublich schönes Blau
auf jenen Blütendolden
der Hortensien.

Das allertiefste Blau jedoch
lebt in den Augen eines Menschen,
wenn sie verletzlich offen
für uns zum Tor der Seele werden.

In Blau
(von Susanne Jensen)

IN BLAU
GEKRÜMMT
festverschlossen
auf Kleinfuß
in Trapp gehalten

trägt mein Körper
freundliche und
unfreundliche Hand

Am Ufer
werfe ich
mit meiner freundlichen Hand
himmel – hoch

werfe ins Blau
himmelblau
wasserblau
wellenblau
Welches Gebet fällt dort
mit hinab in die Tiefe?
Klageworte
an Dich

Blaues Auge
(von Thomas Mrozik)

Signal und aufgewacht
Schmerzensblau
Verstecken in der Nacht.

Die Farbe Blau
(von Heidelind Matthews)

Schenk mir deine Hand, schließ die Augen.
Lass dich entführen in mein Land.
Ich bin eine Träumerin und will dich locken.

Stell dir die Farbe Blau vor. Dieses Blau, so dunkel
und geheimnisvoll wie die Nacht und ihre um-
herstreifenden ruhelosen Schatten.

Es hüllt dich ein und trägt dich fort auf Schwingen
der Sehnsucht. Immer weiter weg bringen sie dich,
du fühlst dich leicht und sorglos.

Lass deine Gedanken umher schweifen, vergiss das,
was dich bekümmert und gefesselt hält.
Verfalle diesem Blau und stell dir vor, du liegst auf
einer großen Welle im Meer. Sanft schaukelt sie
dich hin und her und umspült gelinde deinen entblößten Körper.

Um dich herum nur Blau. Den Blick gen Himmel gewandt,
schaust du wieder in die Farbe Blau. Nur diesmal ist es
durchwoben von einem glitzernden weißgrauen Schleier.
Nein, es sind keine Wolken. Ich habe für dich die Feen
dieser Welt erwacht, damit du einmal im Leben ihren
Tanz bewundert kannst und sie deine Träume befreien.

Sehen sie nicht wunderschön aus, mit ihrem glänzenden,
blonden. lockigem langen Haar, das fast bis an den
Boden reicht. Ihre Augen schillern in den Farben des
Regenbogen, ihr anmutiger Körper schwebt dahin
wie ein zartes Blütenblatt im Sommerwind.

Habe keine Angst und lass dich von ihnen entführen.
Tanze zusammen mit ihnen den Reigen der Sehnsucht
und nehme den honigsüßen Klang ihrer Stimmen wahr.
Fühlst du, wie du ausbrichst aus dieser Welt und sich
allmählich dein Herz öffnet; deine Träume entweichen
und alles zusammen eins wird, eingetaucht in die
Farbe Blau. Blau – die Farbe der Träumer!


Eine Farbe: Blau
(von Thomas Conal)

Des nachts faßte mich ein sonderbarer Traum
ich fand mich selbst als Blau vor
nicht blau wie das Meer
oder blau wie der Himmel
oder ähnlicher metaphorischer Quatsch
nicht “blau wie”
sondern ich WAR blau
blau
blau
blüht nicht nur der Enzian
nein, Meer und Himmel waren blau wie ich
mich plagiierend, als Inspiration nutzend
warum konnten sie sich nicht jemand anders suchen
wie die grüne Wiese es tat?
jetzt konnte anhand von Meer und Himmel
jeder Dahergelaufene mich sehen
anstatt mich einfach nur Farbe sein zu lassen
warum nur?

Beschwörung in Blau
(von Birgit Enser)

Nach oben
schaue ich.

Strahlendes Blau,
als hätte der Himmel
nie eine Träne geseh’n.

Vertrauensvoll
tauche ich ein
in dieses blaue Meer,

um zu
vergessen
vergessen
vergessen

Blauer Schmetterling
(von Hermann Hesse, 1877-1962)

Flügelt ein kleiner blauer
Falter vom Wind geweht,
Ein perlmutterner Schauer,
Glitzert, flimmert, vergeht.
So mit Augenblicksblinken,
So im Vorüberwehn
Sah ich das Glück mir winken,
Glitzern, flimmern, vergehn.

Blau ist eine starke Macht
wie die Naturkraft im Winter
in der alles Dunkel und Stille
verborgen keimt und wächst.

(Johannes Itten, 1888-1967)

Es klingt
es rauscht
es hallt
es widerhallt
es sprüht
es duftet
und wird andächtig singendes Blau.
Das Blau verblüht zu Licht.

(Hans Arp, 1886-1966)

Die leise Wolke
Eine schmale, weiße
Eine sanfte, leise
Wolke weht im Blauen hin.
Senke deinen Blick und fühle
Selig sie mit weißer Kühle
Dir durch blaue Träume ziehen.

(Hermann Hesse, 1877-1962)

Ägyptische Sonnenhymne

Sei gegrüßt, der im Urwasser aufgeht!   
Bei deinem Anblick jubeln die Götter.   
Erscheine doch inmitten deiner Sonnenbarke,   
wen der Himmel dir zur Seite erglänzt   
in der Farbe des Lapislazuli.   
Die Himmlischen stimmen dir Loblieder an,   
jedes Herz jubelt in deinem Anblick.   
Der Himmel ist Gold   
wegen der Schönheit deines Angesichts,   
der Urozean ist Lapislazuli   
weil du aufgehst in ihm.

 

Sprichwörter, Redensarten und Farbvergleiche:
das Blau eines klaren Bergsees, ins Blaue fahren, ins Blaue hineinreden, blau sein, blau machen, blauäugig durchs Leben gehen, blaublütig, das Blaue vom Himmel herunter lügen, sein blaues Wunder erleben …

Strahlend BlauKönigsblauBlau
MittelblauKornblumenblauDunkelblau

Blau
(Spunk, 16.Juni 2002)

Mich hats ganz tief erwischt,
meine Sicht wird wohlig klar.
 
Beruhigender Schleier,
Tosender Applaus.
Geschickte Götter,
Sonnentrubel.
 
Lärmender Wandel,
Ikanaria ist das eine.
In Köpfen wildern,
Flammendes Blau.

Und das andere?
Jedem das seine.

Die blaue Blume
aus Novalis “Heinrich von Ofterdingen”

“Die Eltern lagen schon und schliefen, die Wanduhr schlug ihren ringförmigen Takt, vor dem klappernden Fenstern sauste der Wind; abwechselnd wurde die Stube hell von dem Schimmer des Mondes. Der Jüngling lag unruhig auf seinem Lager und ge- dachte des Fremden und seiner Erzählungen. Nicht die Schätze sind es, die ein so unaussprechliches Verlangen in mir geweckt haben’, sagte er zu sich selbst; fernab liegt mir alle Habsucht: aber die blaue Blume sehn’ ich mich zu erblicken. Sie liegt mir unaufhörlich im Sinn, und ich kann nichts anders dichten und denken. So ist mir noch nie zumute gewesen: es ist, als hätt’ ich vorhin geträumt oder ich wäre in eine andere Welt hinübergeschlummert; denn in der Welt, in der ich sonst lebte, wer hätte da sich um Blumen bekümmert, und gar von einer so seltsamen Leidenschaft für eine Blume hab’ ich damals nie gehört…’ Endlich gegen Morgen, wie draußen die Dämmerung anbrach, wurde es stiller in seiner Seele, klarer und bleibender wurden die Bilder. Es kam ihm vor, als ginge er in einem dunkeln Walde allein… Es dünkte ihn, als umflösse ihn eine Wolke des Abendrots; eine himmlische Empfindung überströmte sein Inneres; mit inniger Wollust strebten unzählbare Gedanken in ihm sich zu vermischen; neue, niegesehene Bilder entstanden, die auch ineinanderflossen und gut sichtbaren Wesen um ihn wurden… Was ihn aber mit voller Macht anzog, war eine hohe lichtblaue Blume, die zunächst an der Quelle stand und ihn mit ihren breiten, glänzenden Blättern berührte. Rund um sie her standen unzählige Blumen von allen Farben, und der köstlichste Geruch erfüllte die Luft. Er sah nichts als die blaue Blume und betrachtete sie lange mit unnennbarer Zärtlichkeit. Endlich wollte er sich ihr nähern, als sie auf einmal sich zu bewegen und zu verändern anfing; die Blätter wurden glänzender und schmiegten sich an den wachsenden Stengel, die Blume neigte sich nach ihm zu, und die Blütenblätter zeigten einen blauen ausgebreiteten Kragen, in welchem ein zartes Gesicht schwebte…”

Und… Eine Ehrenrettung der Farbe Blau, oder wie die Farbe Blau in Verruf geriet:
Was hat die Farbe Blau bloß verbrochen, dass alle Betrunkenen mit Ihr in Verbindung gebracht werden? Im tiefsten Mittelalter, als jede Stadt noch Ihre eigenen Färber hatte, und es nur wasserlösliche Farben gab, waren die Färber eine angesehene Zunft. Alle wohlhabenden Bürger wollten mit schöner Kleidung Ihren Reichtum präsentieren. Nur mit der Farbe Blau war das so eine Sache. Blau wurde unter Verwendung von Alkohol hergestellt, und so manch ein Schluck dürfte wohl während, und nach der Arbeit in den Kehlen der Färber gelandet sein. Und wenn nach getaner Arbeit, einige wilde Gesellen, mit bläulichen Armen, Gesicht und wahrscheinlich noch mehr, grölend durch die Gassen zogen, dann sagten die braven Bürger: “Sie sind mal wieder blau.”

 

BLAUE-Links:
Fotoausstellung 40 Zeitgenössischer Künstler zur Farbe Blau
Karlsruher Wolkenatlas

 

Ihr wisst mehr über die Farbe Blau? Schreibt mir bitte!  ;-)


[x]
speichern & weitersagen - powered by JottsPlugs