Erich Fried
Gedicht
Wer von einem Gedicht seine Rettung erwartet,
der sollte lieber lernen, Gedichte zu lesen.
Wer von einem Gedicht keine Rettung erwartet,
der sollte lieber lernen, Gedichte zu lesen.

Erich Fried wurde am 6. Mai 1921 in Wien geboren und wuchs dort auf. Sein Vater war Spediteur, seine Mutter Grafikerin. Er schrieb bereits als Gymnasiast, war Mitglied einer Kinderschauspieltruppe, bis der deutsche Einmarsch 1938 ihn »aus einem österreichischen Oberschüler in einen verfolgten Juden verwandelte.
Der Vater wurde von der Gestapo ermordet, Fried gelang es, nach London zu fliehen, und in den folgenden Monaten auch seine Mutter und mehr als siebzig andere Personen ins englische Exil zu retten. In den Kriegsjahren hielt sich Fried mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser, als Bibliothekar, Milchchemiker, Fabrikarbeiter. Er schloss sich dem »Freien Deutschen Kulturbund« und »Young Austria« an, später auch dem »Kommunistischen Jugendverband«, den er aber wegen dessen Stalinisierung bereits 1944 wieder verließ. Obwohl Erich Fried in einem seiner späten Interviews gemeint hatte, er könne “nicht wirklich englisch schreiben”, hat er seine erste größere Prosapublikation 1944, eine etwa 20seitige Broschüre über österreichische Widerstandskämpfer, eine Auftragsarbeit für das “Austrian Centre”, auf Englisch abgefasst: “They fight in the Dark. The story of Austrias Youth”. Es handelt sich dabei um eine Mischform aus Bericht und Erzählung, in deren Mittelpunkt die Widerstandstätigkeiten (Herstellung und Verteilung von Flugblättern, konspirative Treffen, Verbergen von gefährdeten, von der SS gesuchten Freunden, Vorbereitungen für Sabotageakte) von jungen Österreicher/inn/en (Franz, Karl, Hanni, Elli) stehen, und zwar mit betont optimistischer Perspektive hin auf ein besseres, freies Österreich.
Im gleichen Jahr erschien sein erster Gedichtband, »Deutschland«, im Exilverlag des österreichischen PEN. In diesem Band verzichtet er bewusst auf die Möglichkeit eines experimentellen Ausflugs in die Sprache des Gastlandes. Erst viel später wird Fried gelegentlich Gedichte auf Englisch schreiben, um sie allerdings nur auf Deutsch zu veröffentlichen. Nach dem Krieg wird Fried Mitarbeiter an zahlreichen neu gegründeten Zeitschriften, in den frühen fünfziger Jahren festangestellter politischer Kommentator der deutschsprachigen Sendungen der BBC; 1968 gab er wegen der unveränderten Kalten-Kriegs-Position der BBC diese Tätigkeit auf. Schon vorher hatte er sich mit der Übersetzung von Dylan Thomas, dem ersten größeren Gedichtband (»Gedichte«, 1958 ) und seinem einzigen Roman (»Ein Soldat und ein Mädchen«, 1960) einen Namen gemacht, ab 1965 gehörte er der »Gruppe 47« an; in dieser Zeit entstanden auch die ersten Übersetzungen von Stücken Shakespeares. Insgesamt übersetzte Erich Fried sage und schreibe 27 Stücke von William Shakespear! Eine bedeutende Leistung die ein Leben in zwei Sprach-Kulturen geradezu voraussetzt. Eine Übersiedlung von London nach Österreich oder Deutschland wurde erwogen, wegen der Restauration der fünfziger und frühen sechziger Jahre aber immer wieder verworfen. 1966 erschien sein Gedichtband »und Vietnam und«, der eine lang andauernde öffentliche Diskussion (auch mit Kollegen) über das politische Gedicht auslöste. In den folgenden Jahren war Fried viel unterwegs- auf Vortragsreisen; Diskussions- und Solidaritätsveranstaltungen ~, nahm in vielen politischen Fragen Partei (Pressekonzentration, Unterdrückung des Prager Frühlings, Israel und die Palästinenser, Polizeiübergriffe, Haftbedingungen politischer Gefangener) und wurde, als Folge, mit Verleumdungen, Zensur und gerichtlicher Klage überzogen. Er, der gegenüber dem politischen Gegner stets Liebenswürdige und Verständnisvolle, hatte schnell mehr Feinde, als er lieben konnte. Erst 1977 erhielt Fried den ersten ansehnlichen Preis, den »Prix International des Editeurs«; das prämierte Buch, »l00 Gedichte ohne Vaterland«, erschien im folgenden Jahr in sieben Sprachen (in den preisstiftenden Verlagen) und wurde das erste erfolgreiche Buch, übertroffen lediglich von dem 1979 erschienenen Band »Liebesgedichte«. 1986 veröffentlichte er, in der losen Form von 29 Prosastücken, seine Erinnerungen (»Mitunter sogar Lachen«). Der Ruhm und die großen Literaturpreise (Bremer Literaturpreis, Österreichischer Staatspreis, Georg-Büchner-Preis) erreichten Fried erst als über Sechzigjährigen und schon lange Schwerkranken.
Erich Fried starb am 22. November 1988 während einer Lesereise und wurde auf dem Kensal Green in London begraben. Für den Grabstein wählte die Familie den Anfang des Gedichtes “Vielleicht”:
Gedichte
die viel zerstörbarer sind
als Stein
werden vielleicht
mein Haus aus Stein
überdauern
Quelle unter anderem: Als ich mich nach dir verzehrte – Gedichte von der Liebe
Werke:
Veröffentlichungen in Zeitschriften, Zeitungen, Anthologien
Gedichtbände:
Von Bis nach Seit (1945 – 58)
Reich der Steine (1963)
und Vietnam und (1966)
Höre, Israel! (1974)
So kam ich unter die Deutschen (1977)
Liebesgedichte (1979)
Es ist was es ist (1983)
Übersetzungen von Werken von T.S. Eliot (,,Ein verdienter Staatsmann” – 1959), Shakespeare (27 Stücke), Dylan Thomas (u.a. ,,Ein Blick aufs Meer”, 1961)
Natürlich gibt es sehr viel mehr Bücher mit Inhalten von Erich Fried, doch das meiste ist halt nach seinem Tode zusammengestellt und veröffentlicht worden. Gebt einfach mal bei Amazon “Erich Fried” ein.
(Thorsteiin Spicker)
