Interview mit Stefan Brinkmann
Interview #007 vom 11.August.2004
24 Fragen an
Stefan Brinkmann
“Der Nachtpoet”
München
geboren am 08.Dezember 1975
ledig, keine Kinder
http://www.nachtpoet.de
http://www.nightlypoem.de
http://e-cards.nachtpoet.de
http://geschichten.nachtpoet.de
http://gedichte.nachtpoet.de
http://origami.nachtpoet.de
1. Für welche Dinge hast Du eine Schwäche?
Ha, geht ja schon gut los. Die harten Fragen gleich zu Anfang, wie? Na, mal sehen…
Ich habe eine Schwäche, wenn man so mag, für alles, was meinen Geist fordert. Rätsel, oder Zaubertricks, Geheimnisse, komplexe Spiele wie Trading Card Games (Magic the Gathering, in meinem Fall), andere Menschen und ihre Welten, Probleme und Sehnsüchte. Ich habe eine Schwäche für schöne Augen und schöne Geschichten, für gut vorgetragene Hörbücher (nicht die verstümmelten Hörbuchfassungen, sondern die eins zu eins Umsetzungen) und technische Spielzeuge (mein neuster Liebling: MP3-Player mit Aufnahme-Funktion für die Hosentasche). Wo wir gerade dabei sind, eine Schwäche für Spiele jeder Art, außer Spielchen, für meine PS2 und meinen GBA SP, um auch mal abzuschalten, für das endlose Basteln an kleinen Details an z.B. meiner Homepage oder ähnlichen Projekten, für das Vorlesen meiner Geschichten…
… ehm, ok, in erster Linie dafür, allzu ausführlich auf Fragen zu meiner Person zu antworten, statt etwas knappes, geistreiches zu sagen wie: Schwächen? Ich nenne sie meine Stärken. Oder liebenswerten Spleens.
Hm, mal sehen. Ich denke, ich werde einfach jeder Frage eine kurze und eine lange Antwort vergönnen *nickt*
2. Welche ist Deine Lieblingsfarbe und warum?
Kurzantwort: Schwarz. Passt zu allem.
Lange Antwort: Es ist so wundervoll einfach, sich für ein Outfit zu entscheiden, wenn der Kleiderschrank weitläufig einem schwarzen Loch ähnelt.
3. Nenne uns einige Deiner Eigenschaften.
Kurzantwort: Ich selbst sein
Lange Antwort: Neugierig. Humorvoll, manchmal leicht zynisch oder sarkastisch. Sehr überlegt und besonnen, immer bereit für eine leidenschaftliche Diskussion, aber schwer in einen Streit zu verwickeln. Furchtbar optimistisch, verträumt und überzeugt von mir selbst. Eine Freundin sagte mal, ich sei immer in meiner Mitte. Es sei eine sehr, sehr große Mitte, aber irgendwo da drinnen sei ich immer zu finden. Melde mich selten bei Menschen, freue mich aber und nehme mir so viel Zeit wie möglich (und manchmal etwas mehr) für jeden, der sich bei mir meldet. Etwas unordentlich und tendenziell unpünktlich. Süchtig nach der Sehnsucht (wie wohl die meisten Poeten). Ach ja, und ich bin verrückt, ich weiß, dass ich verrückt bin, und ich lieeeebe es, verrückt zu sein!
4. Wo würdest Du gerne Leben?
Kurzantwort: In meiner Welt.
Lange Antwort: Ziemlich genau dort, wo immer ich mich befinde. Bin ein schrecklich ortsunabhängiges Viech. Oder, um Pratchetts Charakter Granny Weatherwax heranzuziehen: Ich verlaufe und verliere mich nie. Ich weiß immer genau, wo ich bin. Hier. Nur manchmal verliere ich den Rest der Welt aus dem Auge.
5. Hast Du ein Motto?
Kurzantwort: Eines? Dutzende.
Lange Antwort:: Du meinst diese Sprüche, welche in Profilen immer ganz zum Schluss stehen und in den meisten Fällen „Träume nicht Dein Leben, sondern lebe Deinen Traum“ oder so ähnlich lauten? Yup, hab ich. Eine ganze Kollektion davon, schätzungsweise, und stetig wechselnd…
… ach, ein Beispiel? Nun, wie wäre das folgende von mir erdachte und gerne als Signierung verwendete:
Ein Traum, ein wahrer Traum
kostet ein Leben.
Ein Leben, ein wahres Leben
ist wertlos
ohne einen Traum
6. Wofür interessierst Du Dich sonst so, was ist Dir wichtig?
Kurzantwort: Menschen. Das Leben. Geschichten.
Lange Antwort: Mein Klavier Schimmel, Origami, Tanzen (in erster Linie Standart), die Welten zwischen den Welten und so ziemlich alles, wo ich mich kreativ betätigen kann.
7. Welche Musik hörst Du?
Kurzantwort: Eigenwillige
Lange Antwort: Querbeet durch so ziemlich alles außer Volksmusik. Picke mir ganz gerne die Perlen aus allem raus. Vorliebe für Acapella (Wise Guys, Bobby McFerrin), Jazz und Tori Amos.
8. Welches Musikstück erinnert Dich an das erste Rendezvous oder den ersten Kuss?
Kurzantwort: Braucht man das, um sich zu erinnern?
Lange Antwort: Erster Schieber meines Lebens: „In the Army now“
Erster Kuss: „Wild World“ und „Alles nur geklaut“
9. Ein Konzert, an das Du Dich gerne erinnerst ?
Kurzantwort: Jedes.
Lange Antwort: Tori Amos in ihrer Unplugged-Tour, nur sie und ihr Klavier. Das war unglaublich. Bobby McFerrin und Chick Corea oder Bobby und sein Voicecestra
10. Deine Lieblingsfilme?
Kurzantwort: Viele.
Lange Antwort: So aus dem Stehgreif und ohne Anspruch auf Vollständigkeit:
Fantasy-Filme wie Das letzte Einhorn (was hat mir dieser Film als Kind eine Angst gemacht…), Die Reise ins Labyrinth (mit David Bowie als König der Gnome), Die Braut des Prinzen (kennt kein Schwein, ist aber eines der ironisch-witzigsten, verschmitzt-hintergründigsten und einfach nur schönsten Märchen, die ich kenne). Stormriders (faszinierender japanischer Film in der Art von „Tiger & Dragon“, nur etwas phantastischer und weit unbekannter)
Eigenwilliges wie: Mmemento, Donnie Darco, Equilibrium, Moulin Rouge
Romantisches wie: Besser geht’s nicht, Große Erwartungen (einer der wenigen Filme, die ich immer und immer wieder anschauen kann).
Computer-Animierte Filme wie: Shrek 1+2. Findet Nemo, Ice Age, Monster AG, Antz…
11. Deine Lieblingsbücher?
Kurzantwort: Noch mehr.
Lange Antwort: Das ist noch gemeiner als Lieblingsfilme…
So ziemlich alles von Terry Pratchett (vor allem die Scheibenwelt-Reihe), alles von Douglas Adams und Neil Gaiman, ziemlich viel von Stephen King und John Irving.
„Der kleine Prinz“, „Hallo, Mr. Gott, hier spricht Anna“, „Der Alchimist“, “Fool on the Hill” von Matt Ruff, „Das Spiel“ von Stephen King, „Die unendliche Geschichte“, „Sandman“-Reihe von Neil Gaiman, „Books of Magic“ von Neil Gaiman, “Anleitung zum Unglücklich sein”
12. Welches wäre das Ziel Deiner Traumreise?
Kurzantwort: Jede Welt, die ich täglich in meinen Geschichten besuche.
Lange Antwort: Japan. Eine faszinierende Kultur, mit viel altem Wissen. England. Schlechtes Wetter, schlechtes Essen, seltsame Großstädte und schwarzer Humor. Man muss dieses Land lieben.
13. Welchen Traum willst Du Dir unbedingt noch erfüllen?
Kurzantwort: Jeden.
Lange Antwort: Schreibhaus in England, irgendwo an weiter Ebene und Meer
14. Wie hälst Du es mit der Computerei, was machst Du damit?
Kurzantwort: Hassliebe
In erster Linie schreiben, an meiner Webseite arbeiten und mich um meine anderen zahlreichen Projekte kümmern. Ab und an etwas „Magic the Gathering“ Online zocken.
15. Wieviel Zeit verbringst Du am Computer?
Kurzantwort: Zu viel.
Lange Antwort: Täglich Jobbedingt schon mal 8 Stunden, danach dann noch je nach Lust und Laune und anstehenden Projekten noch mal ein paar Takte.
16. Seit wann nutzt Du dieses Medium?
Kurzantwort: Zu lange.
Lange Antwort: Angefangen in jungen Jahren mit einem PC-AT mit weniger Speicher, als heute das durchschnittliche Handy sein eigen nennt.
17. Beteiligst Du Dich an anderen Projekten im Internet?
Kurzantwort: Yup.
Lange Antwort: Admin auf www.schwarzes-muenchen.de
Die restliche Zeit frisst in der Regel mein Nightly Poem oder mein Weblog.
18. Was sind Deine Lieblingsseiten im Internet?
Kurzantwort: Unterhaltsam.
Lange Antwort:
http://www.neilgaiman.com
http://www.michaelmoore.com
http://www.schwarzes-muenchen.de
http://www.sexylosers.com
http://www.nuklearpower.com
19. Gibt es Autoren, die Dich beeinflusst haben oder Dich beeindrucken?
Kurzantwort: Ja.
Lange Antwort: Neil Gaiman und Terry Pratchett wohl am meisten, was Geschichten angeht, Rilke im Bereich der Gedichte. Aber letztendlich jeder, den ich jemals gelesen habe.
20. Wann hast Du angefangen Deine Gedanken in Lyrik aufzuschreiben? Und wieviele Werke hast Du seitdem ungefähr verfasst?
Kurzantwort: Im Alter von 15, ca. 800 Gedichte und 50 Kurzgeschichten.
Lange Antwort: Ging los mit dem Gedicht „Wer bist Du?“, als ich in einer U-Bahn saß und mich in der Plexiglasscheibe vor mir spiegelte. Ich schrieb es auf, zeigte es ein paar Leuten, die machten den fatalen Fehler, sich positiv zu äußern, und so nahm das Verhängnis seinen Lauf…
21. Wie würdest Du Deine Lyrik bezeichnen?
Kurzantwort: Gar nicht, wenn es sich vermeiden lässt.
Lange Antwort: Lässt es sich nicht? Dann als verständlich, eingänglich und auf den Punkt gebracht, was die meisten Gedichte anbelangt, und überraschend, teilweise amüsant und verträumt, dann wieder bedrückend und verstörend, was die Geschichten betrifft. Mein Ziel ist es, die Menschen ein wenig zum Nachdenken zu bewegen, sie einzufangen, ihnen den Boden unter den Füßen zu entziehen und sie so dazu zu bringen, die Dinge vielleicht von einer neuen Warte aus zu betrachten. Oder ihnen einfach nur zu zeigen: Schau, du bist nicht allein damit.
In erster Linie schreibe ich aber einfach, um zu schreiben. Oder, wie ich zu sagen pflege, wenn jemand mich um die Bedeutung oder den Sinn oder das Ziel eines meiner Werke fragt: „Ich schreibe das nur. Ich werd den Teufel tun, es zu interpretieren. Meine Meinung zählt dabei nicht mehr oder weniger als die eines jeden Lesers. Denn mehr bin ich nach der Vollendung auch nicht.“
22. Wo veröffentlichst Du im Internet?
Kurzantwort: Hab den Überblick verloren.
Lange Antwort: Auf meinen Seiten (www.nachtpoet.de), diversen Fan-Seiten, die mit meiner Erlaubnis einige ihrer Lieblingswerke von mir beinhalten, einigen Autorenseiten, in denen ich mich in einem Anflug aus Langeweile eingetragen habe.
23. Gibt es Buchveröffentlichungen von Dir und/oder sind welche geplant?
Kurzantwort: Ja. Auch das.
Lange Antwort: Zwei Bücher mit Gedichten sind bisher bei der Edition Glasperle erschienen:
Traumblasen
ISBN: 3-936631-00-X
Traumschnuppen
ISBN 3-936631-01-8
Mehr dazu unter http://buch.nachtpoet.de
Zur Zeit arbeite ich an zwei Sammlungen mit Kurzgeschichten von mir, eine mit Märchen/Phantastischem, Arbeitstitel „Schlummerpfade“, und eine mit Suspense und solche zwischen Licht und Schatten, Arbeitstitel „Zwielichtpfade“
24. Und zum Abschluß bitte noch eines Deiner Lieblingsgedichte eines anderen Autors:
Der Panther
Rainer Maria Rilke
Im Jardin des Plantes, Paris
Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.
Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht
Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf –. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.
