Zitz – Wenn ich dich liebe, was geht es dich an?

Wenn ich dich liebe, was geht es dich an?

Wenn dir mein Auge mit trunknem Entzücken
Folget, so weit es dich sehen nur kann.
Wenn deine Worte mich innig beglücken,
Wo ich sie höre – was geht es dich an?
 
Bist du der Stern mir, der Strahlen versendet
Auf meines Lebens umdüsterte Bahn,
Bist du die Sonne mir, die mich verblendet,
Wenn ich dir gut bin, was geht es dich an?
 
Bist du die Gottheit, die still ich verehre,
Zu der ich hohes Vertrauen gewann
Und ihr im Herzen errichtet Altäre -
Wenn ich dich liebe, was geht es dich an?
 
Wenn ich nichts fordre, so mußt du es dulden,
Was ich an Opferrauch für dich ersann;
Was ich auch leide, ist nicht dein Verschulden,
Und wenn ich sterbe, so geht’s dich nichts an.

Kathinka Zitz, 4.11.1801, Mainz
Kathinka Zitz: “Wahre Freiheit: Gedichte und Prosa”, hrsg. von Dietmar Noering. Frankfurt a.M.: Bangert & Metzler 1987.

 

Kathinka Zitz

Kathinka Zitz-Halein
(1801 – 1877)

die Autorin:
Der Vater war Kaufmann. Die Ehe der Eltern verlief unglücklich, die Familie litt unter den Wutausbrüchen des Vaters. Kathinka lebte einige Zeit bei ihrer Großmutter, besuchte dann ein Mainzer Pensionat und später eine Schule in Straßburg. Sie begann zu schreiben; 1817 erschien ihr erstes Gedicht. 1825 starb ihre Mutter, ihr Vater wurde kurz danach in ein Irrenhaus eingeliefert. Sie trat eine Stelle als Erzieherin in Darmstadt an und übernahm 1827 die Leitung einer Mädchenschule in Kaiserslautern. Weil ihre Schwester Julie schwer erkrankte, gab sie diese Stelle nach einem Jahr auf. Sie kehrte nach Mainz zurück, wo sie ihre Schwester bis zu deren Tod pflegte. Um diese Zeit löste sie auch die zehnjährige Verlobung mit dem preußischen Offizier Wild, da der Heiratsantrag ausblieb. 1837 heiratete sie den Rechtsanwalt Franz Zitz. Die Ehe scheiterte an der ständigen Untreue des Mannes. Nach zwei Jahren trennten sich die beiden. Es folgte eine rege literarische und politische Tätigkeit. In ihren Zeitungsartikeln, Gedichten und Erzählungen, die sie unter verschiedenen Pseudonymen veröffentlichte, trat sie für Freiheit und Demokratie ein. 1849 gründete sie in Mainz den Frauenverein »Humania«, der die Märzrevolution unterstützte. In den folgenden Jahren stand sie aus finanzieller Not immer mehr unter Produktionszwang. Sie verfaßte u.a. Biographien über Goethe, Heine und Rahel Varnhagen. Am Grauen Star erkrankt, verbrachte sie ihre letzten Lebensjahre im St. Vinzensiuspensionat der Barmherzigen Schwestern in Mainz.


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